Samstag, 21. April 2012

Herr Glück und seine Idee

„Platsch“ machte es und es spritzte gar fürchterlich – das Wasser aus der Pfütze. Hoch und mitten ins Gesicht von Herrn Glück, der gerade seines Weges kam.
Herr Glück blieb stehen, fuchtelte wütend mit seinem Spazierstock in der Luft herum, so als wollte er sagen „Nicht mit mir, nicht mit mir.“ Gedacht mag er es wohl haben.
Herr Glück wischte sich mit der Hand, in der er den Spazierstock hielt, die Schlammspuren aus seinem Gesicht und wandte sich dann der Pfütze zu.
Darin lag ein dickes Buch. Und auf dem dicken Buch, das da irgendwie in die Pfütze gelangt war, stand „Idee“.

Herr Glück stupste das Buch mit der Aufschrift „Idee“ leicht und vorsichtig mit seinem Stock an. 
Schob die Spitze unter den Buchdeckel und versuchte ihn anzuheben, nur um zu sehen, was denn dieses Buch sollte und woher es vielleicht käme, oder welcher Sauhund ihm das Buch da vor die Nase in die Pfütze geworfen hat, wo gleich das Wasser so spritze, das er jetzt ganz bestimmt zu Hause sich die Haare waschen und kämmen musste und seiner Frau sagen musste, daß ihm da ein Buch vor die Füße direkt in die Pfütze gefallen sei, weswegen er nun so dreckig nach Hause käme – in seinem hellen 
Sonntagsanzug.

Seine Frau würde natürlich herumkeifen, und das Geschirr und die Töpfe würden klappern und überhaupt wäre es mit der Ruhe aus.

Herr Glück schob das Buch noch ein wenig hin und her und gelangweilt und in Gedanken an klappernde Töpfe ließ er es letztendlich in der Pfütze liegen und ging kopfschüttelnd seiner Wege.

Ende.

Montag, 9. April 2012

Klein-Otto, Karl-Heinz und ne Menge Knochen

Blick in die Zukunft von Alexander B.


Ich trinke gerade ein Bierchen und denke darüber nach, wie ich wohl als Skelett aussehen täte. Würde man mich noch erkennen wenn Archäologen mich nach Jahren aus dem Schutt graben, unter den ich liebevoll versteckt wurde?

Würden sie mir einen Namen geben?

So wie, "Hey, der könnte Alexander heißen".
"Nee, so wie der aussieht, eher Karl-Heinz".
"Meinst Du? Ich finde, das ist ein Alexander-Skelett".
"Egal, wühl weiter. Wir brauchen noch den Oberschenkelknochen."
"Na, aber vielleicht hatte Karl-Heinz nur ein Bein."
"Hm, könntest recht haben. So wie es aussieht, hatte der ja wohl nicht mal ne Frau, haha. Oder siehst Du hier irgendwo eine?"
"Ich habe auch keine Frau, Ludwig!".
"Schon gut, Du findest schon noch Eine. Du mußt vielleicht nur ein bißchen - abspecken".
"Du findest mich FETT?"
"Nein, nicht wirklich. Aber eine Frau könnte vielleicht..."
"Also Ludwig, weißt Du, das trifft mich schon sehr."
"Jetzt mach mal halblang. Ich kann nicht sagen, ob Du zu fett bist oder nicht, Klein-Otto. Ich bin ein Kerl."
"Ja, aber Du hast doch Augen im Kopf. Also nehmen wir mal das Skelett da. Ich lege mich daneben. Und jetzt? Findest Du mich im Vergleich zu dick?"
"Ich, ich weiß nicht. Zieh mal Deinen Bauch ein."
„Oh Mann, ich kann ihn nicht weiter einziehen. Warte, ich schiebe mal die Plane unter dem sein Hüftbecken. Hehe, bißchen mickrig seine Hüften, oder?“
„Vorsicht, Vorsicht. Der fällt total auseinander. Scheiße, ich glaube Du hast grade seinen anderen Oberschenkel abgetrennt.“
„Egal, sagen wir halt, Karl-Heinz hatte gar keine Beine.“
„Ach, und was sagen wir zu dem fehlenden Kopf?“
„Wieso? Der liegt doch da drüben. Blindkopf.“
„Hm, komisches Grinsen hat der.“
„Vielleicht war Karl-Heinz ein Japaner.“
„Ich dachte, der soll Alexander heißen?“
„Na Du hast gesagt, das ist kein Alexander.“
„Gib mir mal den Pinsel.“
Schon verrückt. Ich meine der Typ ist seit 200 Jahren tot und – warte, was ist das?“
„Ziemlich kleiner Knochen. Vielleicht sein kleiner Zeh.“
„Was macht sein kleiner Zeh bei seiner Hüfte?“
„Keine Ahnung. Ich meine, er hatte keine Beine, aber vielleicht Zehen?“
„Findest Du mich jetzt zu fett, oder nicht?“
„Du bist NICHT fett. Außerdem ist Übergewicht wieder im Kommen.“
„Also bin ich doch fett. Was bist Du nur für ein Freund.“
„Hallo? Ich meine, Du hast mich gefragt. Soll ich sagen, 'Hey, Klein-Otto hat Bulimie, so fett, wie das Skelett da neben ihm ist.“
„Ich hatte wirklich mal Bulimie. War ne Scheißzeit“.
„Ja, das sieht man Dir aber nicht wirklich an“.
„Ah, ah. Was wird das jetzt? Willst Du mich anmachen?“
„Haha, nicht wirklich. Ich meine, ich sollte, dann hättest Du auch mal Glück.“
„Mistkerl!“
„Na erzähl doch mal,wie war das damals mit Erna, hm?“
„Ich war mit Erna immerhin drei Tage zusammen. Und ja, wir hatten Sex.“
„Ich weiß, sie hat es mir erzählt und fand die Idee mit der Vier-Minuten-Eieruhr etwas befremdlich.“ 
„ICH, ICH WOLLTE DOCH NUR MEINEN REKORD BRECHEN!“
„Schrei doch nicht so rum Winzigmann“
„ICH SCHREI, WANN ICH WILL UND WIE ICH WILL UND DU NENNST MICH NICHT NOCHMAL WINZIGMANN!“
„Hey, lass den Knochen liegen. Was soll das denn Mann.“
„Jaaaaa, jetzt siehste mal, was Klein-Otto so drauf hat. Nimm das und DAS!“
„Daneben haha. Du willst es doch nicht wirklich wissen, Winzigmann oder?“
„Lass es uns austragen, hier und jetzt. Ich habe den Unterarm, Du darfst wählen.“
„Na gut, ich nehme eine Rippe. Da wirst Du aber dann blöd schaun.“
„Eine Rippe, also. Na gut, nimm doch gleich ALLE Rippen. Du hast doch eh keine Chance. Hier, die und die und die. Und die auch noch. Jahaaa, und ich nehme den blöd grinsenden Schädel. Der knallt schön, wenn er Deine häßliche Visage trifft“.

„Du bist fett, Du bist fett“
 

„WAS in Gottes Nahmen ist hier LOS?“
 

„Verdammt, der Chef!“

„Was wird das hier? Eine Knochenschlacht? Seid ihr des Wahnsinns?“
 
„Nein, nein, wir haben diese alten Knochen nur hier unter diesem Haufen Schutt gefunden und...“

„Ja, der Typ hatte nicht mal Beine, tz tz.“.
„Karl-Heinz, so hieß er wohl mal.“
„Und - er war Japaner.“

Chef: „Ist das ein kleiner Zeh bei seiner Hüfte?`“

ENDE